Grußwort unseres Präsidenten

“Liebe Mitglieder und Freunde von Euro-ISME,

Noch vor kurzer Zeit hätte „in den Krieg ziehen“ in aller Regel die förmliche Erklärung eines Zustands der Feindseligkeiten zwischen Staaten (Kriegserklärung) bedeutet, gefolgt vom Einsatz uniformierter  Streitkräfte, die auf fest umrissenen Schlachtfeldern gegeneinander kämpften.

Obwohl viele dieser Kriege in ihrer Brutalität schrecklich waren, fanden sie in einem allgemein akzeptierten Rahmen statt. Diese relative Gewissheit fehlt heute oft und es kommt häufig zu Konflikten zwischen regulären und irregulären Kräften, wobei letztere die Gesetze des bewaffneten Konflikts und des humanitären Rechts kaum kennen und ihnen wenig Beachtung schenken. Ein Schlachtfeld kann jetzt ein physischer oder ein virtueller Raum sein und die Zivilbevölkerung ist regelmäßig in die Schrecken des Krieges verwickelt, weil Konflikte gegen die Bevölkerung ausgetragen werden.

In dieser Lage gilt es oft schon als Klischee, dass Konflikte sich ändern und immer komplexer werden. In dieser sich stetig verändernden Landschaft müssen vor allem zwei Gruppen von Menschen mit einer Reihe von ethischen und rechtlichen Realitäten auseinandersetzen Zuerst bei der Entscheidung, ob und wie der Krieg geführt werden soll und schließlich, wie wir sicherstellen können, dass hinterher ein gerechter und dauerhafter Frieden entsteht.

In den meisten zivilisierten Staaten obliegt die Entscheidung, in einen Krieg einzutreten, nicht dem Militär, sondern den gewählten Politikern. Sie sind die Volksvertreter, die krisenhafte Situationen eskalieren oder deeskalieren können, bevor die Streitkräfte unwiderruflich eingesetzt werden. Es sind die Politiker, welche die Rahmenbedingungen  für den Krieg festlegen und die entscheiden, welche Mittel für die Bekämpfung des Gegners zur Verfügung gestellt werden. Sie werden den Sieg erklären oder die Niederlage akzeptieren, wenn die Zeit gekommen ist. Berater werden sie in Bezug auf die Rechtmäßigkeit der ihnen abverlangten Entscheidungen beraten, aber die Entscheidung, ob sie sich auf einen bewaffneten Konflikt einlassen, hat immer auch bedeutende ethische Komponenten.

Sobald ein Krieg ausgebrochen ist, nimmt die ethische Komplexität für das Militär exponentiell zu. Gesetze unterscheiden das Universum nach zwei Bereichen, den rechtmäßigen und den ungesetzlichen. Aber im Krieg ergeben sich Umstände, unter denen eine solche Klarheit einfach keine realistische Option ist. Nicht jede auftretende Situation kann vorhergesehen werden, und Antworten aus dem Schulbuch für Übungen sind in der Praxis nicht immer  hilfreich. Deshalb brauchen unsere Streitkräfte Menschen, die im Denken geschult sind, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Wir erwarten, dass die (häufig) jungen Männer und Frauen, die in unserem Namen kämpfen, eine über ihr Lebensalter hinausweisende erhebliche ethische Reife besitzen und dies oft in Zeiten nachweisen, in denen sie frieren, hungrig sind und Angst um ihr Leben haben. Es ist aller Anerkennung wert, dass es ihnen und ihren Kommandeuren weitaus häufiger gelingt, als dass sie scheitern.

EuroISME fördert das Studium, die Ausbildung und die Praxis der Militärethik. Wir ermutigen Fachleute aus allen Bereichen des Militärs und der Wissenschaft, einen standhaften und konstruktiven Dialog miteinander zu führen. Wir laden die Politik ein, unseren lehrreichen Debatten zuzuhören und an ihnen teilzuhaben. Wir tun dies, weil es für das Allgemeinwohl unserer Gesellschaften und für die gesamte Welt von entscheidender Bedeutung ist, dass sich unsere Streitkräfte nach den höchsten ethischen Standards verhalten, und sich damit klar von marodierenden Milizen, Söldnern und Terroristen unterscheiden. Es ist auch deshalb wichtig, um sicherzustellen, dass diejenigen, die unschuldige Kriegsopfer sind, unsere Streitkräfte als Beschützer und nicht als Verfolger sondern als Repräsentanten von Gesellschaften ansehen können, die Gerechtigkeit und Frieden über sinnlose Aggressionen stellen.

Die Erziehung und Ausbildung aller Staatsdiener, die in bewaffneten Konflikte eingesetzt werden können, ist keine leichte Aufgabe. Aber es ist ein wichtiges Anliegen, dem wir uns verpflichtet fühlen.  Ich hoffe, dass Sie sich uns anschließen, indem Sie sich dieser ständigen Herausforderung stellen und  an unseren Konferenzen teilnehmen oder unserem wachsenden Netzwerk engagierter Mitglieder beitreten. Wir verlangen von den Angehörigen unserer Streitkräfte, bereit zu sein, ihr eigenes Leben zu opfern, und wir ermächtigen sie, das Leben anderer zu nehmen, sofern dies den Gesetzen des bewaffneten Konflikts entspricht. Wir sind es ihnen, ihren Familien und den Gesellschaften, in denen wir leben, schuldig, dafür zu sorgen, dass sie ihre herausfordernden Aufgaben unter Einhaltung höchster ethischer Standards erfüllen können.

Mit meinen besten Grüßen
Ihr
John Thomas

Air Commodore a.D.
John Thomas, Präsident Euro-ISME

Unsere Ziele

Die Internationale Gesellschaft für Militärethik (ISME) war der erste Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Hochschullehrern und militärischen Praktikern die sowohl in der Forschung als auch in der Lehre und Ausbildung auf dem Gebiet der militärischen Berufsethik tätig sind. Zunächst trat sie lediglich durch informelle Treffen von Fachleuten in Erscheinung. Ab 2005 organisierte sie sich als gemeinnützige Vereinigung in den Vereinigten Staaten.
Im Jahr 2011 beschlossen einige europäische Mitglieder, gemeinsam mit interessierten Einrichtungen einen eigenständigen ISME-Verband in Europa zu schaffen, um ihre Arbeit besser auf den spezifischen europäischen Ansatz in der Analyse und der Weiterentwicklung der militärethischen Grundlagen auszurichten, sowie auf die gemeinsame Nutzung erprobter Lehr- und Arbeitsmethoden innerhalb der Streitkräfte der Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der westlichen Wertegemeinschaft.
Die Gründungskonferenz zum Thema «Ethik und Allianzen» hat am 16. und 17. Juni 2011 in Paris stattgefunden und im Januar 2012 wurde die neue Vereinigung Euro-ISME als «eingetragener Verein nach französischem Recht « (association loi 1901) angemeldet.

Seitdem hat Euro-ISME jährlich ihre hochrangig besetzten, mittlerweile als bedeutendes Forum anerkannten “Internationalen Jahrestagungen” durchgeführt, welche regelmäßig Experten aus aller Welt zusammenführen. Die Konferenzen werden in der Regel gemeinsam mit renommierten und einflußreichen Institutionen auf dem Gebiet der Sicherheits- und Verteidigungspolitik organisiert, wie zum Beispiel die UK Defence Academy in Shrivenham, GB (2012), das Royal Netherlands Navy Centre in Amsterdam (2013), das Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz (2014), die Militärakademie der Serbischen Streitkräfte in Belgrad (2015), the das Defence College der Norwegischen Streitkräfte in Oslo (2016), die Königlich Belgische Militärschule in Brüssel (2017), die Infanterieschule des Spanischen Heeres in Toledo (2018). sowie die Österreichische Landesverteidigungsakademie in Wien.

Die 10. Jahrestagung 2020 ist bereits in Vorbereitung : sie wird vom 17. bis 20. Mai im Tagungszentrum des BMVg/Kdo Territoriale Aufgaben in der Julius-Leber-Kaserne in BERLIN  stattfinden und sich mit Fragen der “Kriegführung gegen Städte und Bevölkerung” beschäftigen.

Die Vereinsziele von Euro-ISME sind insbesondere :

  • die Schaffung eines europäischen Forums für die Diskussion und den Austausch von Vorstellungen zur beruflichen Verantwortung der Soldaten und zur Militärethik;
  • die Förderung systematischer und vertiefender Analysen in den Bereichen der Militärethik und des Kriegsvölkerrechts unter Beachtung der Menschenrechte;
  • die Initiierung von Forschungsarbeiten im Bereich der Traditionsbildung sowie der Normen zur Regelung und Eingrenzung des Verhaltens von Streitkräfteangehörigen, sowohl in Europa als auch weltweit ;
  • die Verstärkung der Qualität der Ethik-Ausbildung in den europäischen Streitkräften und in den Streitkräften der Partnerstaaten, welche dabei unterstützt werden möchten;
  • die Unterstützung von Bildungseinrichtungen und militärischen Führungsstäben bei der Analyse und der Durchführung von Feldstudien zum Verhalten im Einsatz und dessen Auswirkung auf die Militärethik;
  • die Förderung der Angleichung der ethischen Grundsätze und Verhaltensnormen im Rahmen der Schaffung einer gemeinsamen Kultur der Verantwortung und des ethischen Denkens;
  • die Verbreitung der Erkenntnisse über diese Kultur in andere Kontinente, mittels eines weltweiten Netzwerks von Internationalen Gesellschaften für Militärethik.

Der Vorstand

Der Vorstand legt als maßgebliches leitendes Organ die grundlegenden Richtlinien für die
Aktivitäten des Vereins fest und erteilt Weisungen zur Führung der Verwaltungsgeschäfte des Vereins.
Entsprechend dem Wahlergebnis der Mitgliederversammlung vom 22.05.2019 setzt sich der Vorstand aus folgenden Mitgliedern zusammen :

Präsident :
Air Commodore a.D. John Thomas, Großbritannien
1. Vize-Präsident :
Prof. Dr. Thomas R. Elßner, Deutschland
2. Vize-Präsident :
Prof. Dr. David Whetham, GB
Geschäftsführer :
Dr. Ted van Baarda, Niederlande
OTL d. Res. Dr. Daniel Beaudoin, Frankreich / Israel
Schatzmeisterin :
Dr. Magdalena Revue, Frankreich
Vorstandsmitglieder : 
Prof. Dr. Jovan Babić, Serbien
Hauptmann Michaël Dewyn, Belgien
Dr. Paul Ertl, Österreich
Oberst a.D. Prof. Dr. Boris Kashnikov, Russland
Dr. Daniel Messelken, Deutschland/Schweiz
Dr. Leif Tore Michelsen, Norwegen
Dr. Patrick Mileham, GB
Dr. Lonneke Peperkamp, Niederlande
Oberst a.D. Manfred Rosenberger, Deutschland

EuroISME board of directors cloud

Die Satzung

Die Internationale Gesellschaft für Militärethik ist als eingetragener Verein nach französischem Vereinsgesetz vom 1. Juli 1901 in Verbindung mit der entsprechenden Richtlinie vom 16. August 1901 auf unbestimmte Dauer eingerichtet.

Der Vorstand kann den Status der Gesellschaft auf entsprechenden Beschluss der Mitgliederversammlung in den einer europäischen Vereinigung“ umwandeln, sobald ein Vereinsrecht auf europäischer Ebene existieren bzw. geschaffen wird.

Euro-ISME wurde am Forschungszentrum der französischen Militärschulen von Saint-Cyr Coëtquidan, Lehrstuhl für Ethik und internationales Recht, F-56380 GUER (Frankreich) gegründet. Der Vereinssitz ist derzeit unter folgender Adresse eingerichtet: 2, Rue Poisson at 44100 Nantes, France.
Er ist kann durch Beschluss des Vorstands auch an einen anderen Ort verlagert werden.

Der Verein ist eine politisch unabhängige, nicht auf Gewinnstreben ausgerichtete Nichtregierungs-Organisation, die den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen sowie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte folgt. Seine Arbeitssprachen sind Englisch, Französisch und Deutsch.

Eine « Geschäftsordnung » regelt diejenigen Sachverhalte, die nicht schon durch diese Satzung abgedeckt sind, vor allem die Verwaltungsangelegenheiten des Vereins.

Beschwerdeinstanz

Mit dem internen EuroISME-Verhaltenskodex und dem darin festgelegten Beschwerdeverfahren wurde eine Beschwerdeinstanz eingerichtet, welche aus folgenden Personen zusammengesetzt ist :

  • Mrs. Dr. Correa-Klaus, Liliane (Italy/Deutschland) – Vorsitzende, l.correa.integrity.complaints @euroisme.eu
  • Mrs. Dr. Ruffo, M.d.N. (Belgien) – mdn.ruffo.integrity.complaints @euroisme.eu
  • Cdr (N) van Bruggen, J.P. (Niederlande) – jpv.bruggen.integrity.complaints @euroisme.eu

Mitglieder oder sonstige Personen, die eine Beschwerde gegen ein Fehlverhalten entsprechend dem Vereinskodex vorbringen möchten, können eine der aufgeführten Personen direkt kontaktieren.