Kolumbianische Kriegsakademie veranstaltet

II. Internationales Symposium zur Militärethik in Bogota

Das ISME-Netzwerk dauerhaft auf Südamerika ausgedehnt.

Mit einer von ihrem Präsidenten Benoît Royal angeführten Delegation und zahlreichen Beiträgen zum Thema “Der Friedensprozess und die ethischen Herausforderungen für die Streitkräfte” konnte Euro-ISME wesentlich zum Gelingen des vom 7. bis 10. Oktober 2013 an der Kolumbianischen Kriegsschule in Bogotá veranstalteten II. Internationalen Symposium zur Militärethik beitragen.

Schon während der Auftaktveranstaltungen mit Workshops am Montag und Dienstag wurde deutlich, wie breit gefächert die Inhalte der Tagung in diesem Jahr waren. Das Interesse der Gastgeber war in der Tat sehr hoch, wofür nicht nur die hohe Teilnehmerzahl sprach, sondern auch die sehr gute Planung und Durchführung der gesamten Veranstaltung.

Bereits zum Auftakt der Workshops konnte Euro-ISME durch Vermittlung von Dr. Eric Germain einen herausragenden Vortragenden aufbieten. Der in Neuseeland geborene und später im durch die Apartheid geprägten Südafrika tätige Pastor Father Michael Lapsley zog mit seinen Schilderungen aus seinem eigenen Erleben die gesamte Zuhörerschaft in seinen Bann. Er hatte sich als weißer Geistlicher in den 1970er Jahren dem von schwarzen Bürgerrechtlern um Nelson Mandela und Desmond Tutu gegründeten African National Congress (ANC) angeschlossen und kämpfte offen für die Rechte der schwarzen Bevölkerungsmehrheit. Nachdem er sich dergestalt der Regierung der weißen Minderheit entgegengestellt hatte, übte diese mit einem Briefbombenattentat Vergeltung, wodurch Father Lapsley beide Hände und ein Auge verlor.

Selbstverständlich spielte aber auch der immer noch schwelende kolumbianische Bürgerkrieg in den zahlreichen Vorträgen um Themen der Ethik, der Vergebung und der Aussöhnung eine zentrale Rolle. Hier äußerten Vertreter der Universitäten mehrfach die Hoffnung auf Fortschritte in den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Rebellenorganisation FARC.

Die Ausführungen des akademischen Lehrpersonals eröffneten dem europäischen Zuhörer interessante Einblicke, wie die kolumbianische Öffentlichkeit mit den Schwierigkeiten des Bürgerkriegs umgeht, über Skepsis und Hoffnung im Friedensprozess und – wie alle Seiten immer wieder herausstrichen – das ungebrochen hohe Vertrauen in die kolumbianischen Streitkräfte. Noch immer erkennen große Teile der Öffentlichkeit die Armee als vertrauenswürdigste Autorität im Lande an.

Gastgeber General Javier Fernández Leal hatte nicht nur eine illustre Runde von Vortragenden aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft geladen, er hat gleichzeitig aktiv dafür geworben, das Thema der Militärethik in der kolumbianischen Armee auf höchster Ebene anzusiedeln und ihm große Wichtigkeit beizumessen. Es ist zu hoffen, dass dies auch künftig so bleibt.

Ein weiterer herausragender vortragender Gast beim II. Symposium war Jon McCourt, der bereits auf der Jahreshauptversammlung von EURO-ISME im Mai in Amsterdam die Zuhörer mit seinen Schilderungen in den Bann gezogen hatte. McCourt war in den späten 1960’er und während der 1970’er Jahre aktiver Kämpfer der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) und hat noch während des bewaffneten Kampfes erkannt, dass eine friedliche und einvernehmliche Lösung des Nordirland-Konflikts ausschließlich über eine aktive Versöhnung der beiden verfeindeten Bevölkerungsteile möglich ist. Nachdem er bereits zahlreiche Freunde und nahe Verwandte im Kampf verloren hatte, begann er mit einer aktiven Aussöhnung und besucht bis heute zahlreiche Veranstaltungen an Schulen, Universitäten und Behörden, um für seinen Kurs der friedlichen Aussöhnung zu werben.

Neben der reinen Vielzahl der Teilnehmer am Symposium beeindruckte auch die Anzahl der vertretenen Nationen. Dies unterstreicht die Richtigkeit der Bemühungen von EURO-ISME, das Netzwerk über Europa und Nordamerika hinaus auszubauen und so die Aufmerksamkeit vieler auf die immer stärker in den Blickpunkt rückende Militärethik zu lenken.

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