10. Jahrestagung zum Thema Militärethik und Urban Warfare – Berlin – 17.-20. Mai

Archaischer Krieg aus der Steinzeit ?

Einzelheiten zur Einreichung von Beiträgen, zum Anmeldeverfahren und zu den Tagungsgebühren erfahren Sie hier !

Der Krieg in dicht besiedeltem Gebiet stellt eine der herausfordernsten Arten der Kriegführung dar. Unter dem Blickwinkel von Führung und Einsatz ist er schwer zu beherrschen. Aus der Sicht des Völkerrechts ist er problematisch. Unter dem Blickwinkel der humanitären Hilfe ist es nahezu unmöglich, den betroffenen Menschen Sicherheit zu geben oder alternativ die Menschen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Hinsichtlich der allgemeinen Menschenrechte scheinen keine anderen Regeln, als das Gesetz des Dschungels zu gelten. Gebäude , Straßenzüge und sogar ganze
Stadtviertel können binnen Tagen oder Wochen mehrmals den Besitzer wechseln. Dabei kommt es fast zwangsläufig zu wahllosem Töten.

Urban Warfare ist häufig asymmetrisch. Es ist ein Kampf zwischen David und Goliath, in dem die Davids dieser Welt die militärische Macht der Supermächte buchstäblich in eine Art archaischen Krieg aus der Steinzeit reduzieren können. Krieg in Ballungszentren ist auch ein Propagandakrieg. Die von der einen Seite verursachten Kollateralschäden werden herausgestellt, während Pyjama tragende Milizen im Schutz ihrer eigenen Zivilbevölkerung RPG-Granaten auf zivile Ziele abfeuern. Die vermeintlichen Freiheitskämpfer kämpfen ohne Angst vor Strafverfolgung. Für reguläre Streitkräfte gilt das normalerweise nicht. Diese Charakteristiken kennzeichnen die fundamentalen Herausforderungen für den verantwortlichen Befehlshaber auf nahezu jedem Kriegsschauplatz von heute. Sie sind gewaltig. Selbst wenn die Kriege in Ballungszentren ausnahmsweise nicht asymmetrisch sind, sind die archaischen Merkmale in der Regel doch vorhanden.

Sicherheit und Ordnung : Herausforderung für zivil-militärische Zusammenarbeit

Wenn die Kämpfe erst einmal abflauen und der erste Anschein eines Sieges der einen Seite über die Andere aufleuchtet, sind die Probleme noch nicht gelöst. Die ersten Stunden, Tage und Wochen nachdem ein Sieg errungen werden konnte, können für die Zivilbevölkerung die grauenvollsten sein. Die alte Ordnung wurde zerstört, eine neue Ordnung, die noch keiner kennt, muss sich erst durchsetzen. Übergriffe können ungestraft vorgenommen werden. Die Grundversorgung der Bevölkerung muss wieder hergestellt werden, eine funktionierende Stadtverwaltung muss eingesetzt werde, ein Minimum an Sicherheit und Ordnung muss gewährleistet sein.

Unweigerlich sehen sich die zivil-militärische Zusammenarbeit und die humanitäre Hilfe vor ganz eigene Herausforderungen gestellt. Hochrangige militärische Führer der alliierten Koalitionen in Afghanistan, im Irak und auf anderen Kriegsschauplätzen haben bestätigt, dass die Kriegführung heute eine 360 ° Rundum-Anstrengung ist. Die militärische Mission kann nur erfolgreich sein, wenn sie die humanitären Bedürfnisse der Zivilbevölkerung berücksichtigt und sich bei der Verteilung der humanitären Hilfe – nicht nur während der Kampfhandlungen, sondern auch unmittelbar danach – mit vielen anderen Akteuren abstimmt. Dabei stellt sich auch immer die Frage, inwieweit dies humanitären Prinzipien von Neutralität und Unabhängigkeit zuwiderläuft?

Tagungsort Berlin : Historischer Bezug und Zukunftsperspektive

Bei der vom 18. bis 20. Mai 2020 in der Berliner Julius-Leber-Kaserne stattfindenden 10. EuroISME-Jahrestagung zum Thema “Militärethik und Urban Warfare” wird die Kernfrage lauten, welche Rolle die militärische Berufsethik und die moralisch geforderten Soldaten spielen können, um die genannten Probleme zu bewältigen.

Den Auftakt zur Tagung bildet ein informeller Empfang am Abend des 17. Mai. Die Entscheidung des EuroISME-Vorstands, sich 2020 in Berlin zu treffen, ist kein Zufall. Gut eine Woche zuvor wird der 75. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs begangen. Die Schlacht um Berlin und deren Folgen veranschaulichen auf vielfältige Weise die Fragen, die bis heute aktuell sind (geteilte Städte, Hunger, Massenvergewaltigungen, chaotischer Wandel in den Verwaltungsorganen, blühender Schwarzmarkt, schwieriges Verhältnis zwischen den Kommunalbehörden und den Streitkräften, welche die Stadt erobert haben, etc).

Ein eingehender “Call for Papers” wird Anfang November auf der EuroISME-Website veröffentlicht. Doch schon mit dieser Vorankündigung möchten wir interessierte Offiziere, zivile Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger, aber auch Nachwuchskräfte (Offizieranwärter und zivile Studenten) ermutigen, ihre Vorschläge einzureichen. Sowohl Vorträge zu Einsatzerfahrungen als auch wissenschaftliche Analysen sind willkommen. Wir erwarten ausdrücklich Beiträge zu folgenden Themen:

  • Welche Lehren können aus historischen Beispielen gezogen werden, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden?
  • Sind die grundlegenden Taktiken des Häuserkampfes noch dieselben wie 1945? Sollte die Militärdoktrin umgeschrieben werden, insbesondere im Hinblick auf folgende Themen: Kampf von Haus zu Haus, Zielauswahl, Drohneneinsatz usw.?
  • Inwieweit sollten Waffen und Waffensysteme von der Rüstungsindustrie neu konzipiert werden?
  • Kann die Belagerung einer Stadt – im Grunde genommen eine mittelalterliche Taktik – immer noch als zulässig angesehen werden?
  • Wie sollten Streitkräfte mit den unmittelbaren Folgen umgehen, wenn sie die Kontrolle über die Stadt gewonnen haben: Verwaltung der Stadt, humanitäre Versorgung, Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung, Schulerlaubnis für Kinder usw.?
  • Wie sollte man die eigenen Soldaten und das zivile Gefolge auf die Schrecken vorbereiten, die sie erleben werden?
  • Kann man einen Tag der Abrechnung vermeiden und die Versöhnung fördern?
  • Wie soll man mit den Überresten der besiegten Kräfte umgehen?

Einzelheiten zur Einreichung von Beiträgen, zum Anmeldeverfahren und zu den Tagungsgebühren erfahren Sie hier (OpenOffice) !